Digitalisierung am Arbeitsplatz bietet Chancen, Risiken und Gestaltungsmöglichkeiten: Ein klarer Vorteil ist, dass Heimarbeit überhaupt möglich ist und man sehr flexibel ist, was Arbeitszeiten und -ort angeht. Viele Mitarbeitende sind im Home-Office zufriedener mit und effizienter bei ihrer Arbeit. Auf der anderen Seite riskiert man im Home-Office seine Gesundheit, weil man sich tendenziell überlastet und Privat- und Arbeitsleben weniger konsequent abgrenzt. Deshalb ist ein Arbeitsklima mit sinnvollen Spiel- und Verhaltensregeln sehr wichtig. Wir unterstützen unsere Kunden und deren Versicherte mit Massnahmen zur Wiedereingliederung, falls es trotz dieser Regeln zu einer Arbeitsunfähigkeit kommt.

Die Vorteile von Home-Office – und dies nicht nur zu Zeiten von COVID-19 – sind schnell aufgezählt: Familie und Beruf lassen sich besser vereinbaren, die Arbeitszeiten können flexibler geplant und die Arbeit selbstständiger gestaltet werden und man hat mehr Entscheidungsfreiraum. Dies führt zu einer höheren Arbeitszufriedenheit und Effizienz. Die Kehrseite der Medaille: viele sind im Home-Office häufiger und stärker psychisch belastet. Es ist schwieriger, Job und Privatleben zu trennen – vor allem, wenn nebst der Arbeit auch noch Kinder betreut und der Haushalt gemacht werden muss. Es fällt den Betroffenen schwer, Feierabend zu machen und nach Ende der Arbeitstätigkeit abzuschalten. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht jede Person über hohe digitale Kompetenzen verfügt, um die positiven Effekte der Digitalisierung optimal nutzen zu können. Die Corona-Krise verstärkt diese Situation zusätzlich. Dies belegen Zahlen aus der Swiss Corona Stress Study, einer Online-Umfrage der Universität Basel drei Wochen nach dem Lockdown: knapp 50% der befragten Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich im Lockdown gestresster als vor der Corona-Krise. Bei 57% der Befragten haben sich die depressiven Symptome sogar verstärkt. In der aktuellen Situation gesellen sich zudem noch weitere Sorgen hinzu: Wie lange dauert die Krise an? Bleibt meine Familie gesund? Kann ich meinen Job behalten? Um sich diesen belastenden Fragen zu entziehen, lenkt man sich mit Arbeit ab – und schon befindet man sich im Teufelskreis von psychischen Belastungen. Aus diesem Grund sind das betriebliche Gesundheitsmanagement und das Verhalten der Führungskräfte von enormer Bedeutung. Die Trennung von Arbeit und Privatleben ist wichtig, um vom Arbeitsstress abschalten zu können.

Wir rechnen nicht mit einer explosionsartigen Zunahme von psychiatrischen Fällen als direkte Folge von COVID-19 und Home-Office. Vielmehr dürften Depressionen, Suchtprobleme, Anpassungsstörungen, Gewalt und Suizidalität als Folge einer höheren Arbeitslosenquote sowie zwischenmenschlicher und finanzieller Problemen zunehmen. Dies hätte vermehrte Krankschreibungen und Rentenabklärungen zur Folge. Falls diese Fälle zunehmen, würden mehr Case Management-Einsätze, versicherungsmedizinischen Abklärungen und Rentenprüfungen notwendig.

Wir sind aktiv daran, die Folgen von COVID-19 für unsere Kunden und deren Versicherten einzuschätzen und potenzielle Erkrankungen so weit wie möglich zu begrenzen. Um die psychische Belastung zu minimieren, haben wir Tipps zusammengetragen. Sollte es trotz unserer Bemühungen zu Arbeitsunfähigkeitsfällen kommen, unterstützen wir unsere Kunden mit sinnvollen und effektiven Massnahmen, wie zum Beispiel Case Management. Melden Sie sich bei Beobachtung von auffällig verändertem Verhalten bei unserer Hotline «PK Tel» (043 268 27 77). Unsere Expertinnen und Experten sind auf die Beratung von Menschen in komplexen Lebenssituationen spezialisiert und helfen Ihnen gerne weiter.